Medizin&Wissenschaft

Die Fäden zusammenführen

Die Fäden zusammenführen

Journalisten gelten oft als Chaoten. Wer dagegen strikte Organisation mag, für den öffnen sich neue Perspektiven. Julia Thurau arbeitet als Projektmanagerin.

Organisieren macht Spaß! Ich mag es, Fäden zusammenzuführen und dafür zu sorgen, dass Projekte strukturiert und effizient zu einem guten Produkt führen – von der Broschüre über den Webauftritt bis zur Großveranstaltung. Zugegeben: Für eine Wissenschaftsjournalistin ist das eher ungewöhnlich. Weshalb also bin ich diesen Weg gegangen?
Den Wunsch als Journalistin zu arbeiten, hatte ich früh. Das Biologiestudium habe ich unter der Prämisse begonnen, eines Tages nicht selbst zu forschen, sondern über die Forschungen anderer zu schreiben. Das hat durchaus funktioniert: Vom Lokalteil des „Schwäbischen Tagblatts“ zur Wissenschaftsseite der „Süddeutschen“ und „bild der wissenschaft“ habe ich alle Ebenen der Print-Presse kennengelernt, hinzu kamen Ausflüge in Hörfunk und TV. Schreiben für Kinder wurde zu meinem Steckenpferd. Bald kam Öffentlichkeitsarbeit für die forschende Industrie und für Wissenschaftsorganisationen hinzu.
Doch Schreiben allein reichte mir nicht. Ich wollte das Umfeld meiner Texte mitgestalten, begann Textkästen zu entwerfen, Bilder vorzuschlagen und mit Grafikern zu verhandeln. Ich wollte den Weg vom Anfang bis zum Ende gehen – von der Idee bis zum fertigen Produkt. Wo immer sich Gelegenheit bot, übernahm ich deshalb das Management von Projekten und entdeckte, dass mir die redaktionelle und organisatorische Arbeit sehr viel mehr Spaß macht, als das Schreiben an sich.
Jetzt bin ich da, wo ich mich am wohlsten fühle – mittendrin: Als freie Projektmanagerin unterstütze ich Kommunikationsagenturen wie scienceRELATIONS bei komplexen Vorhaben und bin die Schnittstelle zwischen Kunde und Autor, Grafiker und Druckerei. An meinem Schreibtisch machen alle Arbeitsprozesse Station, egal ob auf dem Weg zur Broschüre, zum Film oder zum Event. Mein Vorteil: Ich mag Textabstimmungen. Was für viele PR-Journalisten ein Graus ist, ist für mich eine spannende Herausforderung. Für die Autoren feilsche und verhandle ich mit den Kunden um Formulierungen. Meine eigene 15-jährige Erfahrung als Journalistin hilft mir dabei, Texte einzuschätzen und die Wortwahl gegenüber dem Auftraggeber zu begründen.
Was mein Tätigkeitsfeld erheblich erweitert hat, ist der Bereich der Veranstaltungsorganisation und der Kontakt zu internationalen Pressestellen. Agenturen, die Wissenschaftskommunikation für Kunden im In- und Ausland machen, bieten in zunehmendem Maße die ganze Medienpalette an – von Print über Web bis Film und Event. Muss dann wie bei der Auftaktveranstaltung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) alles zeitgleich am Start sein, koordiniere ich parallel mehrere Teams: die Grafiker und Autoren für den neuen Webauftritt, das Filmteam und die Technik-Crew, den Moderator für die Science-Talks und, ja, auch die Blumen für die Ehrengäste müssen bestellt werden. Das alles bedarf eines ausgefeilten Projektmanagements, um Zeit- und Kostenrahmen einhalten zu können: mein Job!
Oft werde ich gefragt, was die Voraussetzungen sind, um im Projektmanagement nicht nur überleben, sondern zufriedene Kunden erleben zu können. Die Antwort ist ganz unjournalistisch eine Aufzählung: Man braucht einen langen Atem, muss zuverlässig gegenüber allen am Projekt Beteiligten sein, strukturiert und vorausschauend arbeiten, Kunden und Zulieferern verbindliche Meilensteine setzen und diese diplomatisch durchsetzen können und … die Ruhe bewahren können. Wenn einem das bei vier oder fünf parallel laufenden Projekten gelingt, hat man beim Organisieren wirklich Spaß!

Links
Projektmanagement-Seminare, auch für Wissenschaftsjournalisten geeignet:
www.buchakademie.de/seminare
www.mediacampus-frankfurt.de/weiterbildung.html

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung: www.dzif.de

Julia Thurau arbeitet als freie Projektmanagerin in Berlin
thurau@juliathurau.de

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